Mehr Sicherheit für riskante Knochenbrüche - Bethesda forscht mit Universitätskliniken an silberbeschichteten Implantaten

28. September 2026

Der Ansatz: Infektionen dort verhindern, wo sie entstehen: direkt an der Frakturstelle. Verwendet werden Titanplatten, die zusätzlich mit einer dünnen Silberschicht versehen werden. „Silber wirkt antibakteriell“, erklärt Dr. Leyer. Gelingt der Nachweis, dass diese Beschichtung sicher und wirksam ist, könnte sie für definierte Risikobrüche einen echten Fortschritt bedeuten. Dass ausgerechnet das Bethesda hier mit am Tisch sitzt, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer erfolgreichen Zusammenarbeit. „Ich habe vor mehr als zehn Jahren diese Titanplatten mitentwickelt und setze sie, wie auch andere ärztliche Kollegen in Deutschland, seit ihrer Zulassung im Klinikalltag ein“, berichtet Dr. Leyer. „Als die Firma aap Implantate AG dann eine Methode gefunden hatte, Silber auf diesen Platten aufzubringen, habe ich das sehr früh erfahren und wir wurden gefragt, ob wir an der Studie teilnehmen möchten“, erzählt er. So wurde die Wuppertaler Klinik als einzige nicht-universitäre Klinik Partner in einem Verbund mit renommierten Einrichtungen wie der Charité in Berlin und den Universitäten Münster, Bonn, München und Regensburg.

Insgesamt 22 Patienten steuerte das Bethesda bei. Unter allen beteiligten Kliniken erreichte das Wuppertaler Krankenhaus damit die zweithöchste Fallzahl. „Für uns als relativ kleines Krankenhaus, das zwar Lehrkrankenhaus der Ruhr-Uni Bochum ist, aber keine Universitätsklinik, war das eine große Herausforderung an Logistik und Personal. „Wenn ein Patient nach drei Monaten zur Kontrolluntersuchung wiederkommen soll, braucht man ein gutes persönliches Verhältnis“, so der Chefarzt. Gerade wenn es den Menschen wieder besser geht, sei die Versuchung groß, vereinbarte Termine einfach verstreichen zu lassen. „Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben deshalb sehr viel Einsatz gezeigt. Eine Woche vor den Terminen wurden alle Studienteilnehmer noch einmal angerufen und aktiv erinnert“, berichtet Dr. Leyer.

Auch organisatorisch bewegt sich die Studie weit jenseits des Üblichen. „Wir hatten hier zum Beispiel eine eigene Zentrifuge stehen, in der die Blutproben aufbereitet wurden, bevor sie zu fest definierten Zeiten von DHL abgeholt wurden. Das war ein unglaublicher Aufwand“, beschreibt Dr. Leyer. Hinzu kamen eine detaillierte elektronische Dokumentation, Laboraufträge und die enge Abstimmung mit einer unabhängigen Auswertungsfirma, die sämtliche Studiendaten zentral bündelt. „Das, woran wir teilgenommen haben, ist qualifizierte Wissenschaft und deutlich höher anzusiedeln als Nachuntersuchungen, bei denen man nur einmal auf das Ergebnis schaut“, fasst er zusammen. Welche Bedeutung dem Projekt beigemessen wird, zeigt auch, dass die aap Implantate AG für die Entwicklung und Erprobung der silberbeschichteten Platten Fördergelder der Bundesrepublik Deutschland erhalten hat.

Die in mehreren Kliniken erhobenen Daten werden derzeit an der Universität Regensburg ausgewertet. „Dort ist Prof. Dr. V. Alt federführend. Er erstellt gerade den Abschlussbericht“, berichtet Dr. Leyer. Auf dieser Basis sollen die Ergebnisse 2026 in einer hochwertigen wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlicht werden. Parallel dazu bereitet das Unternehmen die Zulassung der silberbeschichteten Platten nach der europäischen Medizinprodukteverordnung (MDR) sowie bei der US‑amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA vor. „Wenn silberbeschichtete Platten eine Zulassung erhalten, ist dies sicherlich ein großer Benefit für die Patienten“, sagt Dr. Leyer. Langfristig sehen Entwickler und Kliniken auch ein mögliches Potenzial zur Reduktion von Folgeeingriffen und Behandlungskosten. Ob die Technik irgendwann zur Routine wird, hängt am Ende aber auch vom Preis und der Vergütung im DRG-System ab.


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Dr. Ulrich Leyer, Chefarzt der KLinik für Unfallchirurgie, Orthopädische Chirurgie udn Handchirurgie