Gesundheitskolumne: Wie das Bethesda Familien unterstützt und Vorsorge ermöglicht

24. Juli 2026

Pflegebedürftigkeit verändert den Alltag – meist nicht nur den der betroffenen Person, sondern den ihres ganzen Umfelds. Wenn jemand plötzlich Unterstützung braucht, wenn Mutter oder Vater stürzen oder eine Demenz voranschreitet, verschieben sich Rollen, Tagesabläufe, manchmal das ganze Leben. In meiner Arbeit als examinierte Krankenschwester und Pflegetrainerin am Bethesda Krankenhaus erlebe ich täglich, wie sehr Familien diese Veränderungen fordern und wie viel Entlastung schon ein klarer Fahrplan und ein offenes Gespräch bringen können.

 

Pflegebedürftigkeit verändert den Alltag – meist nicht nur den der betroffenen Person, sondern den ihres ganzen Umfelds. Wenn jemand plötzlich Unterstützung braucht, wenn Mutter oder Vater stürzen oder eine Demenz voranschreitet, verschieben sich Rollen, Tagesabläufe, manchmal das ganze Leben. In meiner Arbeit als examinierte Krankenschwester und Pflegetrainerin am Bethesda Krankenhaus erlebe ich täglich, wie sehr Familien diese Veränderungen fordern und wie viel Entlastung schon ein klarer Fahrplan und ein offenes Gespräch bringen können.

​Die „Familiale Pflege“ ist unser kostenloses Angebot für pflegende Angehörige und Betroffene, unabhängig von der Krankenkasse. Wenn ich sage: „Wer zu Hause einen Menschen pflegt und Unterstützung benötigt, kann sich an uns wenden“, dann meine ich das genau so. Die meisten Menschen melden sich bei uns, wenn sie im Alltag an ihre Grenzen zu stoßen: Pflegegrad und Unterstützungsmöglichkeiten sind unklar, der Tag zu Hause fühlt sich plötzlich an wie ein 24-Stunden-Job. Dann setzen wir uns zusammen, sortieren die Situation, prüfen, welche Leistungen bei der Pflegekasse beantragt werden können, und überlegen, welche Entlastungsangebote sinnvoll sind – von der Kurzzeitpflege bis zu Hilfsmitteln wie Pflegebett oder Rollator.

Wichtig ist mir, Pflege nicht nur theoretisch zu erklären. Deshalb biete ich Pflegetrainings sowohl im Bethesda als auch direkt zu Hause an. Dort zeige ich etwa, wie man jemanden sicher mobilisiert, wie Haar- und Körperpflege im Bett gelingen können oder wie pflegende Angehörige rückenschonend arbeiten. Oft sind es kleine Handgriffe, die den Alltag spürbar leichter machen.

​Besonders am Herzen liegen mir wichtige Vorsorgeinstrumente. In fast jedem Gespräch frage ich: Haben Sie eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung? Wenn nicht, biete ich an, die Unterlagen gemeinsam zu erarbeiten oder passende Formulare mitzugeben. Wie belastend es sein kann, wenn diese Dokumente fehlen, erlebe ich immer wieder. Eine Ehefrau etwa konnte für ihren schwer erkrankten, künstlich beatmeten Mann auf der Intensivstation nicht einfach entscheiden, weil keine Vorsorgevollmacht vorlag. Das Betreuungsgericht musste eingeschaltet werden, eine rechtliche Betreuung wurde angeordnet – zusätzliche Wege, Anträge und Wartezeiten in einer ohnehin extrem belastenden Phase. Viele glauben, verheiratet zu sein reiche aus, damit der Partner oder die Partnerin automatisch entscheiden darf, wenn man selbst dazu nicht mehr in der Lage ist. Rechtlich braucht es dazu aber eine Vorsorgevollmacht. Diese ist vergleichsweise schnell erstellt: Man bespricht die Punkte, unterschreibt, und damit steht fest, wer im Notfall rechtlich wirksam entscheiden kann. Für mich ist das ein Akt der Fürsorge gegenüber den Menschen, die einem am nächsten stehen.

​Die Patientenverfügung ergänzt diese Vollmacht. Sie hält schriftlich fest, welche medizinischen Behandlungen in bestimmten schweren Krankheitssituationen durchgeführt oder unterlassen werden sollen – etwa, ob im Endstadium einer Tumorerkrankung, bei fortgeschrittener Demenz oder im tiefen Koma alle intensivmedizinischen Möglichkeiten ausgeschöpft werden sollen oder ob eine palliative Behandlung mit dem Ziel eines möglichst würdevollen Sterbens gewünscht ist. Die Verfügung lässt sich jederzeit anpassen und mit einem aktuellen Datum neu bestätigen. Entscheidend ist, dass die bevollmächtigte Person den Willen des anderen kennt und später dafür sorgt, dass er beachtet wird.

​Viele Menschen sagen mir: „Dafür fühle ich mich noch zu jung“ oder „Ich will meine Kinder damit nicht belasten“. Erst im Gespräch merken sie, dass gerade diese Klarheit ihre Angehörigen entlastet. Kinder, Partner und andere nahestehende Menschen, die eine Vollmacht übernehmen, müssen später Entscheidungen mittragen. Ohne schriftliche Grundlage geraten sie in einer Krise schnell in eine kaum zumutbare Konfliktsituation. Darum legt im besten Fall jede und jeder frühzeitig fest, wer im Ernstfall entscheiden darf und welche Behandlung dann gewünscht ist und nimmt der Familie damit eine Last von den Schultern, die im Ernstfall niemand tragen möchte.

Ulrike Schwentzner, Pflegetrainerin

Familiale Pflege